Dienstag, 5. Januar 2010

Biosphärenreservat Rhön hat Kernzonenproblem

Die Kernzonen in den Biosphärenreservaten und darüber hinaus die allgemeine Frage, wieviel Wildnisflächen die Menschen in einem bestimmten Gebiet zulassen, beschäftigen uns immer wieder in diesem Blog. Im Biosphärenreservat Rhön und dessen Umland wird seit einigen Monaten das Thema der Kernzonen oder genauer gesagt das Thema der nicht genügend großen Kernzonenfläche intensiv diskutiert.

Die Rhön ist eines von zur Zeit fünfzehn Biosphärenreservaten in Deutschland. Das Gebiet befindet sich am Dreiländereck Bayern / Hessen / Thüringen. Alle drei Bundesländer haben Anteil am Biosphärenreservat. Die Gesamtfläche des Biosphärenreservats ist 184.939 Hektar. Davon sind zur Zeit 4.199 Hektar als Kernzone ausgewiesen. Dies entspricht 2,27 Prozent der Gesamtfläche. Die Unesco fordert nun aber seit dem Jahr 1995 ("Sevilla-Strategie") einen Anteil der Kernzonenflächen von mindestens 3 Prozent. Zudem sollen die Kernzonen möglichst große einheitliche Flächen sein. Im Biosphärenreservat Rhön gibt es viele kleine Kernzonen. Die kleinste Kernzone im hessischen Teil hat zum Beispiel nur eine Fläche von 16 Hektar. Dies ist zu klein, um einen Prozessschutz für das Gebiet zu gewährleisten.

Das Biophärenreservat Rhön wurde bereits im Jahr 1991 gegründet und von der Unesco anerkannt. Damals galt die Vorgabe einer Mindestfläche von 3 Prozent für Kernzonen noch nicht. Von daher muss man dem aktuellen Kernzonendefizit im Biosphärenreservat noch ein wenig Verständnis entgegenbringen.

Erschwert wird die Problematik jedoch dadurch, dass sogar Erweiterungspläne für das Biosphärenreservat bestehen. Wird die Gesamtfläche des Gebiets erweitert, ohne dass zusätzliche Kernzonenfläche hinzukommt, verschärft sich das Kernzonenproblem noch weiter. Teilweise wird gemutmaßt, dass einige Gemeinden die Fläche des Biiosphärenreservats nur deshalb erweitern wollen, um von der Werbewirksamkeit des Labels Biosphärenreservat zu profitieren. Diese Gemeinden sind aber nicht willens, neben dem Nutzen auch die Pflichten zu übernehmen, die ein Biosphärenreservat mit sich bringt.

Es ist der Unesco nur zu wünschen, dass sie sich nicht vereinnahmen lässt und auf der konsequenten Einhaltung der Richtlinien besteht. Dies ist allein schon aus Rücksicht auf die vielen anderen Biosphärenreservate weltweit erforderlich, die keine Probleme damit haben, die Richtlinien der Unesco einzuhalten. Die nächste Gelegenheit für die Unesco, das Biosphärenreservat Rhön zu überprüfen, ergeben sich ab Ende 2011. Bis zu diesem Zeitpunkt läuft die Übergangsfrist, die die Unesco dem Biosphärenreservat für die Einhaltung der Richtlinien eingeräumt hat. Das Beispiel Dresden beim Weltkulturerbe hat gezeigt, dass die Unesco durchaus zu konsequenten Schritten bereit ist, sollte ein Land nicht willens sein, die internationalen Richtlinien einzuhalten.

Drei Prozent der Fläche sollen Wildnis sein: Mit dieser Devise tut sich Deutschland nach wie vor sehr schwer. Mächtige Gruppen versuchen nach wie vor, die Erhaltung der Biodiversivität zu torpedieren. Nur ein Land, in dem 100 Prozent der Oberfläche vom Menschen beeinflusst und verändert (manche sagen sogar: verschönert) werden, ist in den Augen dieser Gruppen erträglich. Wenn aber nicht einmal in den Biosphärenreservaten drei Prozent Wildnisfläche ausgewiesen werden können, wie soll das dann funktionieren, wenn man die ganze Fläche Deutschlands berücksichtigt? Und nach Auffassung vieler Fachleute muss über kurz oder lang auf der Gesamtfläche Deutschlands und Europas ein Wildnisanteil von drei Prozent vorhanden sein.

Was gibt es nicht alles an Ausreden gegen Wildnis! Auf die Nutzung des Holzes sei man dringend angewiesen, gerade heute in Zeiten der Energieknappheit und der Klimaerwärmung. Als ob die Holznutzung auf drei Prozent der Fläche eines Landes irgendetwas zum Besseren oder Schlechteren wenden würde. Ein Land, das 100 Prozent seiner Fläche nutzen muss, ist eigentlich ein armes Land!

Seien wir froh, dass es internationale Organisationen wie die Uesco mit verbindlichen Regeln gibt. So wird vielleicht sogar der selbsternannte Umweltweltmeister Deutschland noch auf den richtigen Weg gebracht.

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