Freitag, 12. März 2010

Sind Deutschlands Biosphärenreservate ausreichend groß?

Für Unesco-Biosphärenreservate gibt es internationale Leitlinien sowie in Deutschland einen Kriterienkatalog der Deutschen UNESCO-Kommission. In diesem Post soll es nur um ein Kriterium gehen: die erforderliche Größe von Biosphärenreservaten.

Gemäß den internationalen Leitlinien müssen Biosphärenreservate über eine ausreichende Größe verfügen, um ihre Funktionen erfüllen zu können. Der deutsche Kriterienkatalog nennt eine Mindestgröße von 30.000 Hektar für Biosphärenreservate. Schauen wir doch die zur Zeit 15 deutschen Biosphärenreservate einmal daraufhin an, ob sie den Kriterien der Mindestgröße genügen.


Biosphärenreservat Berchtesgaden, 46.700 Hektar
Die Größe ist ausreichend. Zur Zeit wird sogar eine Vergrößerung des Biosphärenreservats auf den gesamten Landkreis Berchtesgaden diskutiert.

Biosphärenreservat Bliesgau, 36.100 Hektar
Die Größe ist ausreichend.

Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe, 354.000 Hektar
Die Größe ist ausreichend.

Biosphärenreservat Hamburgisches Wattenmeer, 11.700 Hektar
Für sich genommen ist das Gebiet zu klein. Jedoch grenzt das Gebiet unmittelbar an die beiden Biosphärenreservate Niedersächsisches Wattenmeer und Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer. Damit stellt sich die Größenfrage für das Hamburgische Wattenmeer nicht.

Biosphärenreservat Niedersächsisches Wattenmeer, 240.000 Hektar
Die Größe ist ausreichend.

Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft, 30.100 Hektar
Volltreffer! Die Größe ist ausreichend.

Biosphärenreservat Pfälzer Wald - Nordvogesen, 301.800 Hektar
Die Größe ist ausreichend.

Biosphärenreservat Rhön, 185.000 Hektar
Die Größe ist ausreichend.

Biosphärenreservat Schaalsee, 30.900 Hektar
Volltreffer! Die Größe ist ausreichend.

Biosphärenreservat Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer und Halligen, 443.100 Hektar
Die Größe ist ausreichend.

Biosphärengebiet* Schwäbische Alb, 85.000 Hektar
Die Größe ist ausreichend.
*Gemäß Naturschutzgesetz Ba-Wü wird der Begriff Biosphärengebiet verwendet.

Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin, 129.200 Hektar
Die Größe ist ausreichend.

Biosphärenreservat Spreewald, 47.500 Hektar
Die Größe ist ausreichend.

Biosphärenreservat Südost-Rügen, 23.500 Hektar
Hier gibt es ein gewisses Größendefizit. Die Unesco wird bei der nächsten Überprüfung des Gebiets Vorschläge für eine Vergrößerung erwarten.

Biosphärenreservat Vessertal-Thüringer Wald, 17.100 Hektar
Das Gebiet ist zu klein. Bleibt es dabei, wird die Unesco bei der nächsten Überprüfung des Gebiets wohl den Biosphärenreservatstitel aberkennen. Das weiß auch die Thüringer Landesregierung, weshalb zur Zeit gewisse, vor Ort äußerst kontrovers diskutierte Vorschläge im Umlauf sind. Es kristallisieren sich zwei Varianten für die zukünftige Entwicklung heraus.

Variante 1 ist, dass das Biosphärenreservat Vessertal-Thüringer Wald auf die erforderliche Mindestgröße von 30.000 Hektar vergrößert wird. Dann muss auch die Fläche der Kernzonen vergrößert werden, denn der Kernzonenanteil im Biosphärenreservat muss stets mindestens 3 Prozent betragen.

Variante 2 beinhaltet die Schaffung eines Nationalparks Thüringer Wald an Stelle der Biosphärenreservats. Die Mindestgröße eines Nationalsparks ist 10.000 Hektar. Jedoch muss in einem Nationalpark 75 Prozent der Fläche dem Prozessschutz überlassen werden, also der Nutzung durch den Menschen entzogen werden. Deklariert man den Nationalpark als sogenannten Entwicklungsnationalpark, müsste das 75-Prozent-Kriterium erst in 30 Jahren erreicht werden. Bis dahin könnte man den Wald umbauen.

Beide Varianten haben je nach Sichtweise Vor- und Nachteile. Die Thüringer Landesregierung hat in ihrer Koalitionsvereinbarung die Variante 2 festgelegt. Jedoch ist angesichts der Widerstände vor Ort zu Zeit noch alles offen.

Dass die Unesco in Bezug auf die Richtlinien und Kriterien für Biosphärenreservate nicht mit sich spaßen lässt, zeigt das Beispiel Bayerischer Wald. Dort wurde zum ersten Mal in Deutschland der Titel des Biosphärenreservats aberkannt, nachdem eine Vergrößerung des Biosphärenreservats auf mindestens 30.000 Hektar vor Ort nicht durchzusetzen war.

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