Freitag, 6. Mai 2011

Greenpeace-Studie plädiert für ein Rotbuchenwald-Schutzgebietsverbundsystem

In einer im Frühjahr 2011 veröffentlichten Studie spricht sich die Umweltorganisation Greenpeace für die Schaffung eines Buchenwald-Schutzgebietsverbundsystems sowie für die Schaffung von zusätzlichen Buchenwald-Nationalparks sowie Buchenwald-Wildnisgebieten in Deutschland aus.

Mit dieser Studie liegt ein erster konkreter Umsetzungsvorschlag zur Biodiversitätsstrategie der Bundesregierung vor, wonach bis zum Jahr 2020 zwei Prozent der Fläche Deutschlands Wildnis sein sollen. Die Greenpeace-Studie konzentriert sich auf den Schutz der Rotbuche. Hintergrund ist, dass in Deutschland der Verbreitungsschwerpunkt dieser Waldart ist und das Land somit eine besondere Verantwortung für den Schutz der Rotbuche hat. In der Greenpeace-Studie wird nicht nur Wert auf die Ausweisung möglichst großer Wildnisgebiete gelegt. Es wird auch darauf geachtet, dass die Wildnisgebiete vernetzt sind. 


Insgesamt werden in der Studie Schutzvorschläge für 75 Gebiete formuliert. Hierbei gibt es vier Schutzgebietskategorien: 
Schlüsselgebiete mit einer Größe von jeweils über 5.000 Hektar (neue Nationalparks)
Schlüsselgebiete mit einer Größe von 1.000 bis 5.000 Hektar (Naturschutzgebiete mit Kernzonen)
Korridore mit einer Größe von 50 bis 1.000 Hektar
Trittsteine mit einer Größe von 5 bis 10 Hektar.

In Baden-Württemberg werden unter anderem ein neuer Nationalpark im Nordschwarzwald sowie ein weiteres Schlüsselgebiet im Stromberg-Heuchelberg empfohlen.
In Bayern werden neue Nationalparks im Buntsandsteinspessart, im Steigerwald sowie im Ammergebirge empfohlen. Ein weiteres Schlüsselgebiet soll auf der Riesalb eingerichtet werden.
In Brandenburg werden ein neuer Nationalpark im Stechlinseegebiet sowie ein weiteres Schlüsselgebiet in der Schorfheide empfohlen.
In Hessen werden ein neuer Nationalpark Taunus (Rheingaugebirge) sowie weitere Schlüsselgebiete im Hohen Meißner-Kaufunger Wald, im Solling/Bramwald/Reinhardswald, im Oberwald, im Hinterländer Egerbergland und im Lahn-Dill-Bergland empfohlen.
In Mecklenburg Vorpommern wird ein neuer Nationalpark im Neustrelitzer Kleinseenland empfohlen.
In Niedersachsen werden ein neuer Nationalpark im Solling sowie weitere Schlüsselgebiete im Nordhelmer Wald, auf den Blomberger/Schwalenberger Höhen im Gebiet Sünte/Deister/Kalenberger Land sowie im Gebiet Elm/Asse/Oderwald empfohlen.
In Nordrhein-Westfalen werden ein neuer Nationalpark im Teutoburger Wald / Eggegebirge sowie weitere Schlüsselgebiete im Arnsberger Wald, im Rothaargebirge und im Westerwald/Siebengebirge empfohlen.
In Rheinland-Pfalz werden ein neuer Nationalpark im Pfälzer Wald sowie weitere Schlüsselgebiete im Montabaurer Westerwald und im Soonwald empfohlen.
Im Saarland wird auf das bereits teilweise bestehende Schlüsselgebiet Saarkohlenwald Bezug genommen.
In Sachsen wird auf den bestehenden Nationalpark Sächsische Schweiz Bezug genommen.
In Sachsen-Anhalt wird auf den bestehenden Nationalpark Harz Bezug genommen.
In Schleswig-Holstein wird kein Potenzial für ein Schlüsselgebiet gesehen.
In Thüringen werden ein neuer Nationalpark im Thüringer Wald sowie ein weiteres Schlüsselgebiet in der Hohe Schrecke/Finne empfohlen.

Berücksichtigt man die Widerstände, die es vor Ort immer wieder gegen die Ausweisung von Nationalparks gibt, mag der Vorschlag zur Schaffung von zehn neuen Nationalparks in Deutschland ziemlich weit gehen. Jedoch müsste man im Gegenzug fragen, wie denn sonst das Biodiversitätsziel der Bundesregierung bis zum Jahr 2020 umgesetzt werden soll. Es ist auch an der Zeit, dass die Vewaltungen der einzelnen Länder in Anlehnung an die Greenpeace-Studie bald mit konkreten Umsetzungsvorschlägen aufwarten. Sonst besteht die Gefahr, dass es im Jahr 2020 einmal mehr heißt: Ziel nicht erfüllt.    

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