Montag, 19. Dezember 2011

Wildnisgebietskonzept Nordrhein-Westfalen

Unter den deutschen Bundesländern ist Nordrhein-Westfalen am weitesten fortgeschritten, wenn es um die einheitliche Schutzgebietskategorie des Wildnisgebiets geht. 

Eine Schutzgebietskategorie wie etwa die US-amerikanische Wilderness Area gibt es zur Zeit in Deutschland noch nicht. Sucht man in Deutschland Wildnisgebiete, muss man sie sich mühsam aus anderen Schutzgebietskategorien zusammenpuzzeln. Nationalparks umfassen zu einem unterschiedlichen Prozentsatz Wildnisgebiete. Die Kernzonen der Biosphärenreservate sind ebenfalls als Wildnisgebiete einzustufen. Dann gibt es die Naturwaldreservate nach den Landeswaldgesetzen. Und auch eine Minderheit unter den Naturschutzgebieten sowie FFH-Gebieten schützt Wildnis, indem der Prozessschutz gewährleistet wird.


Nordrhein-Westfalen entwickelt zur Zeit ein Wildniskonzept. Es fußt auf der Entschließung des Europäischen Parlaments vom 03.02.2009 zur Wildnis in Europa, auf den Prager Beschlüssen vom 28./29.05.2009, auf der Biodiversitätsstrategie der Bundesregierung und auf der Wildniskonferenz der EU vom 16.11.2010. 



Zur Zeit gibt es in Nordrhein-Westfalen bereits über 8.700 Hektar Prozessschutzflächen (Wildnis), die sich auf die Naturwaldzellen (der in Nordrhein-Westfalen gebräuchliche Begriff für Naturwaldreservat), auf Naturschutz- und FFH-Gebiete sowie auf den Nationalpark Eifel verteilen. Diese Flächen entsprechen 0,95 Prozent der Landeswaldfläche. Die Flächen sollen zukünftig als Wildnisgebiet deklariert werden. Zudem soll der Flächenanteil der Wildnisgebiete weiter vergrößert werden.

Zukünftig sollen nicht genutzte Laubholzaltbestände mit einer Größe von 5 Hektar oder mehr als sogenannte Wild Areas ausgewiesen werden. Hingegen firmieren Prozessschutzgebiete mit einer Größe von mehr als 1.000 Hektar als Wilderness.

Die zukünftige Wildnisgebiets-Kulisse soll unter anderem die Buchenbestände im Staatswald, die älter als 120 Jahre sind, umfassen. Dazu kommen die Eichenbestände, die älter sind als 160 Jahre. Die Flächen der einzelnen Gebiete soll zwischen 5 und 100 Hektar liegen. Zudem sollen alle Wuchsräume repräsentativ abgedeckt werden.

Es ist zu hoffen, dass bald auch die anderen Bundesländer dem Beispiel von Nordrhein-Westfalen folgen werden und explizit Wildnisgebiete ausweisen. Zudem bleibt es spannend, welche Vorgaben zu Wildnisgebieten demnächst von der EU kommen. Bald ist auch die Veröffentlichung des ersten Wildnisregisters der EU geplant. Welche Gebiete in Europa werden wohl in diesem ersten Register enthalten sein?      

 

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