Mittwoch, 20. Februar 2013

EU-Kommission wird Ausweisung des Hohen Ifen als Natura 2000-Gebiet fordern


Die EU-Kommission wird wohl demnächst die Ausweisung des Hohen Ifen und seiner Umgebung einschließlich des Gottesackerplateaus in Vorarlberg als Natura 2000-Gebiet fordern. Das haben vor kurzem der Umweltdachverband in Österreich und die Naturschutzanwaltschaft Vorarlberg mitgeteilt.

Für ganz Österreich wird die EU wohl die Ausweisung von 150 neuen Natura 2000-Gebieten fordern. Dem voraus gingen Beschwerden der Umweltverbände Österreichs an die EU-Kommission, wonach Österreich bis jetzt noch nicht genügend Natura 2000-Gebiete ausgewiesen hat. Die EU-Kommission hat sich jetzt der Auffassung der Umweltverbände angeschlossen.


Der Hohe Ifen und das umgebende Gottesackerplateau gehören zu den merkwürdigsten Berggestalten der ganzen Alpen. Diese Berge stellen ein tektonisches Fenster dar. Die aus Gesteinen der Kreidezeit aufgebauten Berge des Hohen Ifen und des Gottesackerplateaus sind im Norden und im Süden von Bergen eingerahmt, die aus Flyschgesteinen bestehen. Im Bereich des Hohen Ifen und des Gottesackerplateaus wurde das Deckgebirge aus Flysch bereits abgetragen. Dort wölben sich die darunterliegenden Kreideschichten empor und kommen an die Oberfläche.

Das Pultdach des Hohen Ifen ist aus allen Himmelsrichtungen sowohl von Deutschland (Bayern) als auch von Österreich (Vorarlberg und Tirol) aus deutlich zu sehen. Die Staatsgrenze zwischen Österreich und Deutschland verläuft über den Gipfel des Hohen Ifen und über das Gottesackerplateau. Auf der deutschen Seite der Staatsgrenze ist das gesamte Gebiet des Hohen Ifen und des Gottesackerplateaus bereits als Natura 2000-Gebiet geschützt (FFH-Gebiet Hoher Ifen, 2.451 Hektar und Vogelschutzgebiet Hoher Ifen und Piesenkopf, 4.533 Hektar). 

Die Umweltverbände weisen nun darauf hin, dass der Flächenaturschutz im Rahmen des EU-Schutzgebietsnetzwerks Natura 2000 nicht an den Staatsgrenzen halt machen darf. Die Schutzgebiete müssen sich in ihrer Ausdehnung vielmehr an den natürlichen Gegebenheiten orientieren. Den Kern des zukünftigen Natura 2000-Gebiets auf der Vorarlberger Seite des Hohen Ifen bildet das Biotop Gottesackerplateau und Kürenwald mit 871 Hektar Fläche.

Neben der Neuausweisung eines Natura 2000-Gebiets Hoher Ifen fordern die Umweltverbände für Vorarlberg auch die Flächenvergrößerung des bestehenden Natura 2000-Gebiets Bregenzerachschlucht.

Kommentar
Eigentlich sollte man meinen, dass es die Aufgabe der EU ist, dafür zu sorgen, dass die Schutzgebiete des Netzwerks Natura 2000 nicht nur innerhalb der Staatsgrenzen, sondern auch über die Staatsgrenzen hinweg einigermaßen stimmig sind und zusammenpassen. 

Diese Koordinierungsaufgabe scheint die EU-Verwaltung jedoch nicht leisten zu wollen. Wie anders ist es zu erklären, dass die Abgrenzung des bestehenden Natura 2000-Gebiets Hoher Ifen nicht den natürlichen Gegebenheiten folgt, sondern den willkürlich gezogenen Staatsgrenzen? Und der Hohe Ifen ist bei weitem nicht das einzige Beispiel für dieses Fehlen an Koordinierung. 

In den Allgäuer Alpen wird man nicht nur an der Grenze zwischen Bayern und Vorarlberg, sondern auch an der Grenze zwischen Bayern und Tirol fündig. Auf bayerischer Seite ist das große Naturschutzgebiet Allgäuer Hochalpen als Natura 2000-Gebiet ausgewiesen. Auf der Tiroler Seite des Allgäuer Hauptkamms herrscht jedoch in Sachen Natura 2000 Fehlanzeige, obwohl dort genau dieselben Naturräume vorhanden sind wie auch auf bayerischer Seite. 

Die EU wird augenscheinlich erst dann koordinierend tätig, wenn Naturschutzverbände eine Beschwerde einreichen. Das ist kein Ruhmesblatt für die EU. Denn nur um die von den einzelnen Staaten gemeldeten Schutzgebiete zu archivieren und darüber Statistiken zu erstellen, braucht man die gut bezahlten Beamten der EU-Verwaltung eigentlich nicht. Da sollte man mehr erwarten dürfen. Und zu diesem Mehr gehört auch die Information seitens der EU für die einzelnen Staaten über die Schutzgebiete, die von den Nachbarstaaten an der jeweiligen Staatsgrenze gemeldet worden sind einschließlich der Bitte, die eigene Schutzgebietskonzeption entsprechend anzupassen.

Auf der deutschen Seite des Gottesackerplateaus im Natura 2000-Gebiet: Blick vom Torkopf in Richtung Norden über die Unteren Gottesackerwände hinweg in Richtung Nagelfluhkette mit dem Hochgrat (hinten, Bildmitte).
Blick vom Torkopf in Richtung Nordwesten entlang der Oberen Gottesackerwände: links im Bild im Mittelgrund erhebt sich die Winterstaude im Bregenzerwald.  Am Horizont sieht man den Pfänderrücken beim Bodensee.
Blick vom Torkopf in Richtung Südosten ins Kleine Walsertal (Vorarlberg) mit dem Allgäuer Hauptkamm im Hintergrund (links im Bild der dominierende Gipfel des Hochvogel).
Abstieg vom Windecksattel nördlich des Torkopfs in Richtung Kleines Walsertal: Das über das Gelände gespannte Schild warnt vor dem Hölloch. Diese Höhle zählt zu den längsten Höhlen Deutschlands. Bei Unachtsamkeit kann man in das Loch fallen. Die deutsch-österreichische Grenze liegt am Berghang unterhalb des Höllochs. 
Typisch Allgäuer Alpen: eine unglaubliche Vielfalt an Gesteinen und Bergformen. Der Aufnahmestandort ist der Gratübergang zwischen dem Elfer und dem Liechelkopf südlich des Kleinen Walsertals. Die Berge im Vordergrund sind aus Juraschichten aufgebaut. Links im Hintergrund sieht man den Hohen Ifen mit der noch nicht unter Schutz stehenden Vorarlberger Seite. Das Pultdach des Hohen Ifen mit Gesteinen aus der Kreidezeit ist charakteristisch und einmalig. Eine Kette vor dem Hohen Ifen ist die Bergkette beim Walmendinger Horn. Diese Berge sind aus Flyschgestein aufgebaut.
Auf der Vorarlberger Seite des Hohen Ifen mit der Ifersgunten-Alpe
          

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