Samstag, 8. Juni 2013

Nationalpark Schwarzwald auf der Zielgeraden


Die Chancen, dass Baden-Württemberg noch im Jahr 2013 seinen ersten Nationalpark erhält, sind gestiegen. Der baden-württembergische Landwirtschaftsminister Bonde hat am 4. Juni 2013 den Entwurf für die Gebietskulisse des zukünftigen Nationalparks Schwarzwald vorgestellt. Der Landtag von Baden-Württemberg wird sich voraussichtlich im Herbst 2013 mit dem Nationalparkprojekt befassen.

Der jetzt vorgestellte Entwurf für den Nationalpark Schwarzwald sieht zwei Teilgebiete vor, die ca. 3 Kilometer auseinanderliegen. Die Fläche des Nationalparks soll 10.190 Hektar betragen. Die größere der beiden Teilflächen mit 7.485 Hektar Staatswaldfläche befindet sich im Gebiet um den Ruhestein, wo heute bereits ein Naturschutzzentrum besteht. Die kleinere der beiden Teilfächen umfasst ein Gebiet um den Großen Ochsenkopf. Dort sind 2.145 Hektar Staatswaldfläche und zusätzlich 430 Hektar des Stadtwalds von Baden-Baden und 130 Hektar des Stadtwalds von Bühl vorgesehen.


Der Nationalpark ist vor Ort umstritten. Eine vor allem von der Sägewerksindustrie gepuschte Bewegung wendet sich heftig gegen den Nationalpark. Umfragen von Meinungsforschungsinstituten in der gesamten Region Nordschwarzwald ergaben jedoch eine Mehrheit für den Nationalpark. In sieben Gemeinden, in denen die Gegnerschaft zum Nationalpark besonders groß ist, fanden vor wenigen Wochen Volksabstimmungen zum Nationalpark statt. In allen sieben Gemeinden sprach sich die Mehrheit der Wähler gegen den Nationalpark aus.

Die Landesregierung hat jedoch von vornherein klargemacht, dass der Nationalpark unabhängig von den Ergebnissen der Abstimmung in den sieben Gemeinden kommen wird. Denn der Nationalpark wird ausschließlich auf Staatswaldfläche eingerichtet, Flächen also, die allen Baden-Württembergern gehören. Zusätzlich können Gemeinden freiwillig eigene Flächen einbringen.

Es gibt andererseits auch nicht wenige Gemeinden und Landräte, die dem Nationalpark Nordschwarzwald positiv gegenüberstehen. So hat der Landrat des Landkreises Calw über 2.000 Hektar Waldfläche für den Nationalpark angeboten. Ebenso haben die Gemeinden Baden-Baden und Bühl Waldflächen ihres Stadtwalds für den Nationalpark offeriert. Die beiden letztgenannten Flächen werden jetzt tatsächlich Bestandteil des Nationalparks werden.

Die Landesregierung ist den Gegnern des Nationalparks durchaus entgegengekommen. So wurde die im Nationalpark liegende Fläche der vor allem vom Nationalpark betroffenen Gemeinde Baiersbronn gegenüber den ursprünglichen Planungen reduziert. Zudem wurde die Fläche des Nationalparks so gewählt, dass der größere Teil der Fläche oberhalb von 800 m ü NN liegt, in Wäldern also, die für die Forstwirtschaft nicht ganz so produktiv sind. Man hat bei der Festlegung der Fläche auch darauf geachtet, dass die Nationalparkflächen von den Ortslagen aus nicht sichtbar sind. Damit hat man denjenigen Gegnern ein Zugeständnis gemacht, die fürchten, dass wegen des Borkenkäfers die Wälder bald unansehnlich werden.

Auch die Festlegung auf eine Flächengröße, die die Mindestgröße für Nationalparks von 10.000 Hektar nicht wesentlich übersteigen soll, ist im Grunde ein Zugeständnis an die Nationalparkgegner. Bei einer größeren Fläche als 10.000 Hektar befürchtet man spürbare Arbeitsplatzverluste bei der Holzindustrie. 

Die sogenannte Suchkulisse für den Nationalpark umfasste drei getrennte Teilgebiete mit einer Gesamtfläche von über 17.000 Hektar. Das dritte Teilgebiet, das Gebiet um die großartigen Hochmoore von Kaltenbronn, wird jetzt nicht Bestandteil des Nationalparks werden. Das ist bedauerlich, weil dieses Gebiet absolut nationalparkwürdig ist. Hätte man dieses Gebiet jedoch dazugenommen, wäre der Nationalpark ca. 15.000 Hektar groß geworden - und das war zunächst einmal politisch nicht durchsetzbar.

Von daher ist es sicher klug, jetzt erst einmal mit einem 10.000 Hektar großen Nationalpark zu starten. Das ist besser als überhaupt keinen Nationalpark zu bekommen. Es ist jedoch klar, dass in nicht allzu ferner Zukunft, wenn mal Gras über die aktuellen Auseinandersetzungen gewachsen ist und wenn die Bevölkerung die Vorteile und die Faszination des Nationalparks erkannt hat, eine Vergrößerung des Nationalparks auf der Agenda stehen muss.

Der Wildsee befindet sich im Zentrum des zukünftigen Nationalparks Schwarzwald. Der Wildsee ist ein Karsee aus der letzten Eiszeit. In seiner Umgebung wurde Anfang des 20. Jahrhunderts der erste Bannwald in Baden-Württemberg eingerichtet.
               

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