Mittwoch, 16. Juli 2014

Naturschutzgebiet (Reserva Natural Integral) Inagua auf der Insel Gran Canaria

Im Naturschutzgebiet (Reserva Natural Integral) Inagua befindet sich der älteste und am besten erhaltene Kiefernwald der Kanareninsel Gran Canaria.

Das Naturschutzgebiet wurde im Jahr 1994 ausgewiesen. Es hat eine Fläche von 3.920,3 Hektar und befindet sich im Südwesten der Insel Gran Canaria auf dem Gebiet der Gemeinden Tejeda, Mogán und San Nicolás de Tolentino. Grund für die Ausweisung war der Wald aus kanarischer Kiefer, der hier mit relativ alten Bäumen vorhanden ist. Im Gebiet befinden sich die Quellgebiete einiger wichtiger Talsysteme (Barrancos) der Insel. Der Kiefernwald ist als Wassersammler, als Wiederauffüller des Grundwasserreservoirs und wegen des Erosionsschutzes von besonderer Bedeutung.


Die Lage im Südwesten der Insel und damit auf der den Passatwinden gegenüberliegenden Inselseite bedingt eine relative Trockenheit der Region. Regen gibt es im allgemeinen nur im Winterhalbjahr. Die kanarische Kiefer kann mit ihren besonders langen Nadeln aus dem Passatnebel Feuchtigkeit kondensieren und austropfen lassen. Man fragt sich nun, welchen Sinn die langen Nadeln in diesem Gebiet haben, wo es keinen Passatnebel gibt. Es gibt jedoch auch Wetterlagen, bei denen sich Wolken aus Richtung Südwesten an die Berge legen. Das sind dann zwar keine Passatwolken. Den Bäumen ist dies jedoch egal.

Die Flora und Fauna des Gebiets zeichnet sich durch mehrere Endemismen aus, die in ihrem Bestand bedroht sind, wie zum Beispiel der Blaufink. In geologischer Hinsicht besteht das Gebiet aus relativ altem Vulkanmaterial, das in der Form eines Schildvulkans aufgebaut ist. Horizontale Lavaschichten lassen sich auf der Insel Gran Canaria weltweit am Besten studieren. Aus all diesen Gründen ist das Gebiet in Bezug auf die Wissenschaft, die Geologie und die Geomorphologie von großem Interesse. Zudem ist die Landschaft spektakulär.   

Das Naturschutzgebiet Inagua wurde von der Gesellschaft BirdLife International zur Important Bird Area (IBA) erklärt. Die IBA hat den Namen "Pajonales, Ojeda, Inagua and La Data Pine Woodlands". Die IBA hat eine Fläche von 3.700 Hektar und wurde im Jahr 2.000 erklärt.

Das Gebiet ist auch im europäischen Schutzgebietsnetzwerk Natura 2000 geschützt. Es ist Bestandteil des FFH-Gebiets sowie des Vogelschutzgebiets Ojeda, Inagua y Pajonales mit einer Fläche von 3.528 Hektar. Das Naturschutzgebiet Inagua ist zudem eine von zwei Kernzonen des Biosphärenreservats Gran Canaria.             

Wie kommt man hin?
Die Größe des Gebiets, der strenge Schutzstatus sowie die beachtlichen Höhenunterschiede lassen einen Besuch des Gebiets eher zu einer etwas anstrengenderen Angelegenheit werden. In einem älteren Reiseführer stand, dass man in diesen Bergen eine Woche unterwegs sein kann, ohne einen Weg zweimal gehen zu müssen. Das mag so stimmen. Für den Besucher des Gebiets ist diese Info jedoch kaum von Wert. Denn hierzu müsste man im Gebiet übernachten. Das ist jedoch nicht möglich und auch nicht zulässig.

Um überhaupt wenigstens die äußeren Teile des Schutzgebiets zu erwandern, ist ein Mietwagen fast unerlässlich. In diesem Fall kann man jedoch ebenfalls nicht bis in die inneren, entlegenen Winkel des Gebiets vordringen. Denn man muss hier stets berücksichtigen, dass jeder Weg zweimal zu gehen ist, hin und zurück. Da mag es schon sehr viel sein, wenn man auf einer Forstpiste 10 Kilometer geht und dieselben 10 Kilometer wieder zurückgeht.

Im Naturschutzgebiet Inagua unterwegs
Es gibt viele potenzielle Startpunkte für eine erste Erkundung des Naturschutzgebiets. Hier sei ein Punkt an der Straße genannt, die von Mogán spektakulär durch den Barranco de Mogán hinauf ins Inselinnere nach Ayacata führt. Diese Straße führt in unzähligen Kehren durch die fast senkrechten Wände des Barranco de Mogán hinauf. Am oberen Ende des Barrcancos (= Schlucht) kommt man zum Stausee Embalse del Mulato. Wenig später zweigt nach rechts ein Sträßchen ab, das ins Nachbartal nach Soria hinüberführt. An dieser Abweigung fährt man geradeaus weiter. 

Nun achtet man auf die erste, nach links abzweigende Forstpiste. Die Piste ist mit einer Kette gesichert. An dieser Stelle der Straße finden sich zwei Parkplätze. Sollten die Parkplätze belegt sein, muss man wenige hundert Meter zurückfahren. Dort finden sich weitere Parkmöglichkeiten.

Die Forstpiste ist nun der heutige Wanderweg. Man befindet sich sofort im Naturschutzgebiet Inagua. Informationstafeln klären über ein EU-Life-Projekt auf, das die Sanierung des Gebiets zum Inhalt hat. Das Gebiet wurde in den vergangenen Jahrzehnten von großen Waldbränden heimgesucht. Zeitweise ist das Betreten des Gebiets nicht gestattet. Sollte ein entsprechendes Schild am Beginn der Forstpiste vorhanden sein, geschieht das Begehen der Forstpiste auf eigene Gefahr und eigenes Risiko, auch gegenüber eventuellen Sanktionen. Die Pisten und Wege im Schutzgebiet darf man nicht verlassen. Es ist auch alles zu unterlassen, was zu Waldbränden führen könnte. Dazu gehört offenes Feuer und auch das Liegenlassen von Glas und Abfall.

Auf der Forstpiste kann man nun beliebig weit wandern. Stets hat man zu berücksichtigen, dass man denselben Weg zurückgehen muss. Alle denkbaren Rundwanderwege sind so lang, dass man im Gebiet übernachten müsste. Das ist jedoch nicht gestattet. Nach ca. 10 Kilometern kommt man zu einer Aula de la Naturaleza. Das ist ein Freiluft-Klassenzimmer für Schüler und Studenten. Obwohl von der Aula de la Naturaleza Wege weiterführen, dürfte spätestens hier die Umkehr angesagt sein. 

Schild an der Außengrenze des Naturschutzgebiets Inagua
Wegweiser am Rand des Naturschutzgebiets Inagua
Die Wälder im Naturschutzgebiet Inagua sind licht.
Blick in den Oberlauf eines der zahlreichen Barrancos im Naturschutzgebiet Inagua
Die Forstpiste sorgt für leichtes Gehen im Naturschutzgebiet Inagua. Die Entfernungen sind jedoch groß.
Blick vom Naturschutzgebiet Inagua über den obersten Barranco de Mogán hinweg auf die Montaña de Tauro.
Die Landschaft im Naturschutzgebiet Inagua ist großartig. Hinter jeder Wegbiegung sind neue Ansichten zu sehen.

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