Sonntag, 15. März 2015

Unesco lehnt Antrag für Biosphärenreservat "Ledro Alps and Judicaria" im Trentino ab

Das Biosphärenreservats-Kommittee der Unesco hat auf seiner 26. Sitzung im Juni 2014 den Antrag Italiens auf Anerkennung eines Biosphärenreservats in der Region Trentino zwischen dem Gardasee im Süden und der Brenta-Gruppe (Unesco-Welterbestätte) im Norden abgelehnt. Der Name des geplanten Biosphärenreservats lautet in englischer Sprache Ledro Alps and Judicaria.

Die Größe des geplanten Biosphärenreservats beträgt 47.427 Hektar. Das Gebiet ist repräsentativ für die Südhänge der zentralen Ostalpen. Im Gebiet befinden sich mehrere intakte Habitate, darunter alpine Matten, Wälder, Wiesen und Moore. Der Ort des Gebiets trägt zu einer reichen und vielfältigen Biodiversität im Alpenraum bei und ist in der Lage, einen Nord-Süd-Korridor über die Alpen hinweg zu schaffen, der von der Po-Ebene bis zu den Nordalpen reicht.


Innerhalb des geplanten Biosphärenreservats befinden sich zwei Siedlungen am Ledro-See und Carera-See, die als Welterbestätten anerkannt sind. Das Gebiet ist auch eine wichtige Tourismus-Destination. Der Tourismus ist die Haupteinnahmequelle für die 15.845 ständigen Einwohner des Gebiets.

Das Biosphärenreservats-Kommittee der Unesco hat das Bestehen eines Forschungsnetzwerks im vorgeschlagenen Biosphärenreservat sowie die zahlreichen Anstrengungen in Bezug auf die Kommunikation vor Ort und die Öffentlichkeitsarbeit anerkannt. Mit Sorge wurde jedoch eine Petition zur Kenntnis genommen, die zahlreiche Bürger aus dem Gebiet an die Unesco gesandt haben.

Das Kommittee hinterfragte weiter die Relevanz der vorgeschlagenen Zonierung des Gebiets, den Schutzstatus der Kernzonen sowie die Rolle der Pufferzone als Korridor zwischen den beiden Kernzonen. Bemerkt wurde auch, dass es offensichtlich Konflikte mit der Jägerschaft im Gebiet gibt. Bemängelt wurden weiter das Fehlen einer klaren Verwaltungsstruktur für das Gebiet sowie unklare Strukturen bei der Entscheidungsfindung. Das Kommittee warf auch die Frage auf, wie der Tourismus zukünftig in dem Gebiet funktionieren soll. Unklar ist auch, wie der neue Plan für den vorhandenen Naturpark Parco Regionale Dell`Alto Garda Bresciano in das Biosphärenreservat integriert werden soll.

Das Biosphärenreservats-Kommittee der Unesco hat deshalb entschieden, dass der Antrag für die Anerkennung eines Biosphärenreservats in den Ledro-Alpen und um die Giudicarie-Täler im Gebiet zwischen dem Gardasee und der Brenta-Gruppe vertagt wird. Die Behörden Italiens wurden aufgefordert, ein besseres Einvernehmen mit den Bewohnern und Interessen vor Ort herzustellen, um eine volle Unterstützung für das geplante Biosphärenreservat zu erhalten.    

Siehe auch:
Biosphärenreservats-Pläne für Italiens Po-Delta vorerst gescheitert im Post vom 11.02.2015 in diesem Blog
Südtirol will Unesco-Weltnaturerbegebiet Dolomiten erweitern im Post vom 12.06.2013 

    



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