Samstag, 3. Juni 2017

Europarat will Europadiplom für die Weltenburger Enge in Bayern erneuern

Das beratende Komitee des Europarats zum Europadiplom für Schutzgebiete hat bei seiner Sitzung am 8. März 2017 in Straßburg eine Empfehlung zur Erneuerung des im Jahr 2018 auslaufenden Europadiploms für das Naturschutzgebiet Weltenburger Enge in Bayern ausgesprochen.

Die Gültigkeit des Europadiploms soll bis zum 2. März 2028 verlängert werden. Die Verlängerung ist verbunden mit drei Bedingungen sowie mit acht Empfehlungen.

Erste Bedingung:
Es soll eine Expertise eingeholt werden, wie im Rahmen des gesetzlich Möglichen die Anlandung privater Boote am rechten Ufer der Donau zwischen dem Weltenburger Bootssteg und Flusskilometer 2416 gestoppt bzw. wenigstens reguliert werden kann. Das Campieren sowie das Feuermachen soll im gesamten Gebiet verboten werden.


Zweite Bedingung:
Die für das benachbarte Naturschutzgebiet Hirschberg und Altmühlleiten geltenden strengeren Schutzgebietsbestimmungen sollen auf das Naturschutzgebiet Weltenburger Enge ausgedehnt werden, damit die Regeln von den Besuchern besser verstanden und befolgt werden und auch besser überwacht werden können.

Dritte Bedingung:
In Zusammenarbeit mit der Denkmalschutzbehörde sollen Maßnahmen ergriffen werden, um weitere Beeinträchtigungen und Zerstörungen des Denkmals "Keltenwall" zu verhindern. Insbesondere sollen das Wandern und das Radfahren auf dem Denkmal limitiert werden.

Erste Empfehlung:
Das mit dem Europadiplom ausgezeichnete Gebiet soll so bald wie möglich um 934 Hektar erweitert werden. Das Gebiet soll zudem umbenannt werden in "Weltenburger Enge und Hirschberg und Altmühlleiten". Alle Besucherinformationen vor Ort und in Karten und Broschüren sollen angepasst werden.

Zweite Empfehlung:
Die Auswirkungen des durch größere Boote verursachten Wellenschlags an den Ufern soll untersucht werden.

Dritte Empfehlung:
Die Infotafeln vor Ort sollen überarbeitet und angeglichen werden. Das Europadiplom soll auf den Infotafeln thematisiert werden.

Vierte Empfehlung:
Illegales Mountainbiking soll besser kontrolliert werden.

Fünfte Empfehlung:
Es sollen offizielle, ausgebaute Aussichtspunkte eröffnet werden. Im Gegenzug sollen inoffizielle Aussichtspunkte geschlossen werden.

Sechste Empfehlung:
Die natürliche Sukzession in den Wäldern soll ein größeres Gewicht bekommen. Der Wald soll natürlicher werden. Kahlschläge sollen vermieden werden. Die Forstwirtschaft soll im Gebiet an Einfluss verlieren. Große Erntemaschinen sollen nicht mehr zum Einsatz kommen. Im Wald rund um die Befreiungshalle soll jeglicher Eingriff in den Wald sorgfältig abgewogen werden.

Siebte Empfehlung:
Es soll Personal eingestellt werden, das das Schutzgebiet überwacht.

Achte Empfehlung:
Das Kulturdenkmal Klösterl soll restauriert werden.

Die Weltenburger Enge ist eines von insgesamt acht Schutzgebieten in Deutschland, die mit dem Europadiplom des Europarats ausgezeichnet worden sind. Zur Zeit gibt es in Europa 74 Gebiete, die mit dem Europadiplom für Schutzgebiete ausgezeichnet worden sind. Sie verteilen sich auf 29 Länder.

Das Naturschutzgebiet Weltenburger Enge umfasst eine Fläche von 560 Hektar. Es wurde in der heutigen Form im Jahr 1970 eingerichtet. Das Europadiplom für das Gebiet besteht seit dem Jahr 1978. Es ist das 17. Gebiet, das mit dem Europadiplom ausgezeichnet worden ist.

Hier gibt es eine Übersicht über die Schutzgebiete mit Europadiplom. Von dort sind alle Artikel in diesem Blog, die sich mit einzelnen Gebieten befassen, verlinkt.

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