Freitag, 29. April 2011

Koalitionsvereinbarung Rheinland-Pfalz sieht Nationalpark vor

Nicht nur in Baden-Württemberg, auch in Rheinland-Pfalz stehen die Chancen gut, dass während der kommenden Legislaturperiode ein Nationalpark geschaffen wird. Die fast fertig ausgehandelte Koalitionsvereinbarung zwischen der SPD und den Grünen beinhaltet die Schaffung eines Nationalparks.

Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz sind die einzigen Flächenbundesländer Deutschlands, die zur Zeit noch nicht über einen Nationalpark verfügen. Das Bundesamt für Naturschutz sowie die Naturschutzverbände verlangen schon seit längerer Zeit die Einrichtung von Nationalparks in diesen Bundesländern.


Auffallend ist, dass das Thema Nationalpark in Rheinland-Pfalz seit der Wahl am 27. März 2011 eine größere Aufmerksamkeit in den Medien bekommen hat als in Baden-Württemberg. Möglicherweise ist in Baden-Württemberg das Nationalparkthema wegen anderer, öffentlichkeitswirksamerer Themen etwas in den Hintergrund getreten. Dazu gehören zum Beispiel Stuttgart 21 oder der Umstand, dass BW wohl den ersten Grünen Ministerpräsidenten Deutschlands bekommen wird.

Orientiert man sich an den Programmen der Parteien, war die Chance für die Einrichtung eines Nationalparks in Baden-Württemberg größer als in Rheinland-Pfalz. Denn in BW haben sowohl die Grünen als auch die SPD die Schaffung eines Nationalparks auf ihrer Agenda gehabt.  Anders in Rheinland-Pfalz: Dort wollte die SPD in ihrem Wahlprogramm von einem Nationalpark nichts wissen. Anscheinend ist es den Grünen gelungen, die SPD während der Koalitionsverhandlungen umzustimmen.

Als Kandidaten für einen Nationalpark in Rheinland-Pfalz kommen der Pfälzer Wald und der Soonwald (ein Teil des Hunsrücks) in Frage. Im Pfälzer Wald gibt es bereits ein Biosphärenreservat mit Kernzonen. Die größte Kernzone (Quellgebiet der Wieslauter) ist über 1.000 Hektar groß. Durch eine Erweiterung dieser Kernzone könnte ein Nationalpark entstehen. Eine Untersuchung aus dem Jahr 2004 hat jedoch den Soonwald als zukünftigen ersten Nationalpark von Rheinland-Pfalz favorisiert.

Es bleibt auf jeden Fall spannend. Und es ist zu hoffen, dass der große weiße Fleck auf der Nationalparkkarte im Südwesten Deutschlands bald der Vergangenheit angehören wird.     

Kommentare:

  1. Wenn man davon ausgeht, dass die Nationalparks einer Landes möglichst alle wichtigen Naturräume und Landschaftsformer der Nation abdecken sollen, wäre in Deutschland bei bestehenden Parks mit 3 x Wattenmeer, 2 x sost. Küstengebiete, 1 x Auelandschaft, 1 x glaziale Seenlandschaft, 3 x Buchenwälder, 1 x Alpin und 3 x Mittelgebirge in Kristallin und Sandstein nicht eigentlich ein Nationalpark im Mittelgebirge mit Karbonatkarst absolut vorrangig?
    Müsste da nicht in BW einem Park auf der Schwäb. Alb der Vorzug gegeben werden? (ein Park im Schwarzwald ist natürlich besser wie keiner). Und warum soll dies im Biosphärenreservat Schw. Alb nicht möglich sein, wo mit dem Truppenübungsplatz doch schon eine große zusammenhängende Fläche in statlichem Besitz und damit geringen Nutzungskonflickten besteht?

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  2. Wir wollen hoffen, dass sich die neue Regierung in BW genaue Gedanken über den Ort eines zukünftigen Nationalparks macht. Der Nordschwarzwald war deshalb in der Vergangenheit immer an erster Stelle, weil sich dort die größten Staatswaldflächen in BW befinden und somit dort die Ausweisung eines Nationalparks ohne Grunderwerbsprobleme möglich ist.

    Der ehemalige Truppenübungsplatz Münsingen im Biosphärengebiet Schwäbische Alb kommt als Nationalpark leider nicht in Frage. Dieser Platz ist ja nicht einmmal Kernzone des Biosphärengebiets. Der Grund ist, dass auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz zu großen Teilen eine Schafbeweidung stattfindet. Und das will man beibehalten. Dies ist quasi eine historische Kulturlandschaft. Man kann dort die Schwäbische Alb erleben, wie sie vor 150 Jahren aussah, ohne Straßen, ohne Stromleitungen, aber mit Magerwiesen und Wacholderheiden, die von Schafen beweidet werden. Vielleicht gibt es Flächen der Schwäbischen Alb, die weiter weg von Stuttgart sind und die sich besser als Nationalpark eignen, z.B. auf der Ostalb oder auf der Südwestalb/Oberes Donautal.

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  3. Die Schafbeweidung ist ohne Zweifel für die Erhaltung der standorttypischen Trockenrasen und Wacholderheiden erforderlich. Der Wildnisgedanke wird da m.E. etwas überbewertet. Wir sind nun einmal in Deutschland und nicht in Alaska. Deshalb vermag ich eigentlich auch nicht zu erkennen, warum der Erhalt einer klassischen, naturnahen Kulturlandschaft mit großem ökologischem Schutzwert und durchaus spektakulärer Landschaftsbild nicht auch bei extensiver Bewirtschaftung die Qualität eines Nationalparks haben sollte. Auch in den alpinen Nationalparks ist außer im Scheizerischen wohl in den meisten anderen klassische Almwirtschaft zulässig. Und was machen die Italiener? Der Landschafts- und Naturraum von Cinque Terre wird ja wohl nicht ohne solche pflegerische Nutzung auskommen. Und dieser Park ist als Kategorie II ausgewiesen (was mich allerdings schon ein bischen überrascht hat)

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  4. So ganz bin ich mit Deiner Argumentation nicht einverstanden. Bei der Neuausweisung von Nationalparks in Deutschland geht es doch in erster Linie darum, den Wildnisanteil von heute unter einem Prozent der Landesfläche zukünftig zu erhöhen. Es gibt hier ja auch das Instrument des Entwicklungsnationalparks, das für eine Übergangszeit von dreißig Jahren gezielte Eingriffe zur Förderung der Wildnisentwicklung vorsieht.

    Beim Gebiet der Mittleren Schwäbischen Alb wäre durch die Ausweisung eines Nationalparks gegenüber dem heutigen Zustand nichts gewonnen. Der Truppenübungsplatz Münsingen ist heute in der Pflegezone des Biosphärengebiets. Wenn innerhalb eines Nationalparks sich an der Schafbeweidung dort nichts ändern würde, kann man es doch bei der bestehenden Schutzgebietskategorie belassen. Mir scheint das Biosphärengebiet die passende Schutzgebietskategorie zu sein.

    Warum der Nationalpark Cinque Terre in die IUCN-Kategorie II eingestuft ist, ist mir auch rätselhaft. Eigentlich gehört er in die IUCN-Kategorie V. Und die Schafbeweidung im Nationalpark Hohe Tauern gefällt mir auch nicht. Aber wenigstens findet diese Schafbeweidung dort nur in den Gebieten oberhalb der natürlichen Waldgrenze statt.

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