Montag, 4. März 2013

Initiative für Nationalpark Ammergebirge


Das Ammergebirge (auch Ammergauer Alpen genannt) gehört zu den am wenigsten vom Menschen beeinflussten Gebirgsgruppen der Bayerischen Alpen. Das Naturschutzgebiet Ammergebirge ist das größte Naturschutzgebiet Bayerns.

Seit vielen Jahren gibt es bereits Bestrebungen, in den Ammergauer Alpen einen Nationalpark einzurichten. Genauso lang sind jedoch die Kräfte am Wirken, die einen Nationalpark in den Ammergauer Alpen ablehnen. Seit einiger Zeit gibt es jetzt eine neue Initiative für die Schaffung eines Nationalparks Ammergebirge. Diese Initiative hat eine interessante Internetseite: www.initiative-nationalpark-ammergebirge.de.

Gemäß dem Vorschlag der Initiative soll ein 230 km² großer Nationalpark eingerichtet werden. Dieser Nationalpark soll große Teile der Ammergauer Alpen auf bayerischem Gebiet umfassen. Zudem soll sich der Nationalpark auch über einen kleinen Teil des benachbarten Wettersteingebirges um den berühmten Eibsee und das Höllental zwischen der Zugspitze und der Alpsptze erstrecken. Ein Nationalpark Ammergebirge wäre der dritte Nationalpark Bayerns und der zweite Nationalpark im deutschen Alpenraum.


Es gibt bei diesem Nationalparkvorschlag Ammergebirge eine Erweiterungsoption über die Staatsgrenze hinaus auf Tiroler Gebiet. Die Erweiterungsoption umfasst konkret die Geierköpfe, einen Gebirgsstock nordöstlich des Plansees in Tirol. An der Südflanke der Geierstöcke hat das österreichische Bundesland Tirol bereits ein Naturwaldreservat eingerichtet (Naturwaldreservat Schellental-Zwerchenberg). Dieses Naturwaldreservat gehört mit einer Fläche von 502 Hektar (davon 177 Hektar Wald) zu den größten Naturwaldreservaten Westösterreichs und bildet damit eine gute Grundlage für eine Erweiterung des Nationalparks in Richtung Tirol.

Wünschenswert wäre eigentlich eine Einbeziehung weiterer großer Teile des Tiroler Anteils der Ammergauer Alpen in einen zukünftigen Nationalpark Ammergebirge. Sieht man sich hier ein wenig um, stößt man jedoch auf eine Merkwürdigkeit. Das gesamte Gebiet des geplanten Nationalparks Ammergebirge in Bayern ist als Natura 2000-Gebiet geschützt (Vogelschutzgebiet Ammergebirge mit Kienberg und Schwarzenberg sowie Falkenstein + FFH-Gebiet Ammergebirge). Auf der Tiroler Seite der Staatsgrenze ist jedoch in den Ammergauer Alpen weit und breit kein Natura 2000-Gebiet eingerichtet, obwohl die Natur dort genauso schützenswert ist wie auf der bayerischen Seite der Staatsgrenze. Hier zeigt sich einmal mehr das Versagen der EU-Bürokratie, das wir in diesem Blog bereits im vorangegangenen Post thematisiert haben. Die EU ist nicht in der Lage, die von den einzelnen Staaten gemeldeten Natura 2000-Gebiete so zu koordinieren, dass sie an den Staatsgrenzen sinnvoll zusammenpassen.

Das Gebiet des vorgeschlagenen Nationalparks Ammergebirge befindet sich mit Ausnahme des Eibsees im Staatsbesitz. Trotzdem stehen die Gemeinden, auf deren Gemarkung sich das Gebiet befindet, bisher zum größeren Teil einem Nationalpark Ammergebirge ablehnend gegenüber. Wie passt das zusammen? Es geht hier meines Wissens um Weide- und Nutzungsrechte, die die Gemeinden auf dem Staatsbesitz haben. Die Gemeinden fürchten, diese Rechte mit einem Nationalpark - zumindest längerfristig - zu verlieren. 

Da ich selbst in einer Großstadt wohne, möchte ich hier keine Bewertung der Haltung der Gemeinden zum Nationalpark Ammergebirge vornehmen. Man wird sonst schnell mit dem Vorwurf konfrontiert, sich als Großstädter von weit her in die örtlichen Angelegenheiten einzumischen. Anzumerken wäre freilich, dass ein Nationalpark nicht nur eine örtliche Angelegenheit, sondern eine gesamtstaatliche oder sogar international bedeutsame Sache ist.   

Hoffen wir aber, dass die Initiative für die Schaffung eines Nationalparks Ammergebirge mittelfristig doch von Erfolg gekrönt ist. In diesem Nationalpark würden sich mit dem Schloss Neuschwanstein und dem Schloss Linderhof auch zwei Kulturgüter von Weltrang befinden. Von daher würde ein Nationalpark Ammergebirge wohl auf derselben Bekanntheitsstufe stehen wie zum Beispiel die US-Nationalparks Yosemite und Grand Canyon.    

Blick von der Scheinbergspitze in den Ammergauer Alpen in Richtung Westen auf Hochplatte (Mitte) und Geiselstein (rechts)
Blick vom Gipfel der Hochblasse in den Ammergauer Alpen in Richtung Nordwesten auf den Gipfel der Krähe: Aus Richtung Norden schwappen Nebel über den scharfen Grat.
Eine der größten geologischen Kuriositäten der Bayerischen Alpen befindet sich zwischen dem Vorderscheinberg und dem Hasentalkopf in den Ammergauer Alpen: Eine tiefe, kraterähnliche Senke ohne oberirdischen Abfluss, die von einem See gefüllt wird. 
Der Naturwaldreservat Friedergrieß in den Ammergauer Alpen zählt zu den Höhepunkten eines zukünftigen Nationalparks Ammergebirge.
Blick an einem Dezembertag vom Ochsenälpeleskopf in den Ammergauer Alpen in Richtung Westen auf den markanten Gipfel des Säulings (rechts) 
Im Röthenbachtal in den Ammergauer Alpen sind die dort anstehenden Gesteinsschichten aus Flysch besonders gut aufgeschlossen. Diese Stelle zählt zu den hundert schönsten Geotopen Bayerns.
              

  

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