Dienstag, 18. August 2015

Zum Bergrutschgebiet Alport Castles in Englands Peak District Nationalpark

Der Peak District Nationalpark in England ist mit einer Besucherzahl von ca. 22 Millionen pro Jahr der nach dem Fuji-Nationalpark in Japan meistbesuchte Nationalpark der Welt. Das hat seine Ursache aber nicht darin, dass der Peak District Nationalpark mehr zu bieten hätte als alle anderen Nationalparks der Welt. Vielmehr befinden sich um den Peak District Nationalpark zahlreiche Städte und Agglomerationen  Nordenglands (z.B. Manchester, Liverpool, Sheffield, Leeds), die für den starken Besuch des Nationalparks sorgen. 

Geologisch und landschaftlich kann man den Peak District in zwei sehr unterschiedliche Gebiete einteilen. Es gibt den sogenannten White Peak, eine Landschaft aus Kalksteinen mit tief eingeschnittenen Tälern und einer bäuerlichen Kulturlandschaft. Dem gegenüber steht der Dark Peak, eine Landschaft aus Sandsteinen mit riesigen Plateaubergen und einer großartigen Weltenferne. Besuchern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die nur einen oder wenige Tage für einen Besuch des Peak District Nationalparks zur Verfügung haben, sollten sich auf den Dark Peak beschränken. Denn der Dark Peak hält im Gegensatz zum White Peak Landschaften bereit, die für den Kontinentaleuropäer fremd und gleichzeitig großartig wirken.


Die Nationalparks in England entsprechen nicht der IUCN-Kategorie II für Nationalparks, sondern der Kategorie V (geschützte Landschaften). Eine Besonderheit Großbritanniens sind die zahlreichen gemeinnützigen Organisationen (trusts), die zum Teil große Gebiete besitzen und diese Gebiete Schritt für Schritt zu mehr Naturnähe weiterentwickeln. Im Dark Peak ist vor allem der National Trust aktiv. Diese Organisation besitzt zentrale Teile des Dark Peaks (z.B. High Peak Estate) und führt dort zusammen mit anderen Organisationen, der Nationalparkverwaltung und der Regierung umfangreiche Maßnahmen zur Regenerierung der Moorlandschaften und zum Umbau der Wälder durch.

Wie kommt man hin?
Der zum Peak District nächstgelegene Flughafen ist Manchester Airport, der drittgrößte Flughafen Großbritanniens. Der Flughafen ist von mehreren deutschen Flughäfen aus erreichbar, auch mit Billigfluglinien. Am Flughafen befindet sich ein Bahnhof. Vom Bahnhof ist das Zentrum Manchesters in ca. 15 Minuten erreichbar. Die Züge fahren ca. alle 10 Minuten. Die Züge fahren vielfach von Manchester weiter z.B. nach Sheffield am Ostrand des Peak District Nationalparks, das sich selbst als die grünste Stadt Europas bezeichnet.

Fährt man mit der Bahn durch den Kanaltunnel nach London, kommt man im Bahnhof St. Pancras an. Von diesem Bahnhof fahren auch die Schnellzüge in die East Midlands (Sheffield) ab. Die Züge nach Manchester fahren vom Londoner Bahnhof Euston ab. 

Die Bahnlinie von Manchester nach Sheffield führt mitten durch den Peak District Nationalpark. Von den einzelnen Stationen dieser Bahnlinie kann man zahlreiche Wanderungen im Nationalpark unternehmen. Damit kann man gut eine Woche auch ohne Auto im Nationalpark wandern. Zusätzlich gibt es Buslinien. Einen Mietwagen kann man z.B. ab Manchester Airport buchen.

Zu den Alport Castles im Peak District Nationalpark
Die nachfolgenden Bilder stammen von einer Wanderung im Dark Peak des Peak District Nationalparks zu den Alport Castles. Man fährt hierzu auf der A57 von Sheffield oder Manchester in das Derwent-Tal mit dem Stausee Ladybower Reservoir. Unmittelbar westlich der Straßenbrücke über den Stausee biegt man auf eine Stichstraße nach Norden ab, die entlang des Stausees im Derwent-Tal talaufwärts führt. Am Ende des Stausees kommt man zu einem Großparkplatz mit Infozentrum, Kiosk und Lehrpfaden. Die Weiterfahrt von dort ist für den öffentlichen Verkehr an Sonn- und Feiertagen nicht gestattet. An den übrigen Tagen kann man weiterfahren und kommt nun am zweiten Stausee, dem Derwent-Reservoir vorbei. Dann erreicht man den dritten Stausee, das Howden-Reservoir. Die Straße umfährt nun einen fjordähnlichen westlichen Seitenarm dieses Stausees. An der Spitze dieses Seitenarms parkt man das Auto neben der Straße.

Hier beginnt die Wanderung hinauf zu den Alport Castles, die eines der größten Bergrutschgebiete Englands darstellen. Für Wanderungen im Peak District Nationalpark sollte man sich eine Karte des staatlichen Vermessungsdienstes Ordnance Survey besorgen.              

Schild an der Außengrenze des High Peak Estate, einem Besitz des National Trust im Peak District Nationalpark
Am Rand des High Peak Estate im Peak District Nationalpark: Im Vordergrund sieht man eine Wiese, die mit heimischen Baumarten wiederaufgeforstet wird. Rechts im Bild sieht man eine Fichtenforstung (conifer plantation), die im Laufe der Zeit in einen Wald mit standortgerechteren Baumarten umgewandelt werden soll. Die Kahlfläche am Hang im Hintergrund stammt von einem geplanten Brand, mit dem die Lebensbedingungen für bestimmte Tier- und Pflanzenarten verbessert werden sollen. 
Blick von der Hochfläche der Hope Woodlands im Peak District Nationalpark in Richtung Derwent-Valley: Unten sieht man ein Stückchen des Howden-Reservoirs. Die Wälder in der Umgebung der Trinkwasser-Stauseen wurden mit dem Bau der Stauseen angelegt, um das Wasser für die Seen zu reinigen. Eine Aufgabe der kommenden Jahrzehnte ist es, die standortfremden Nadelbäume nach und nach durch heimische Baumarten zu ersetzen. 
Entlang des Wegs zu den Alport Castles im Peak District Nationalpark trifft man immer wieder auf getarnte Schießstände, von denen aus an einigen wenigen Tagen im Jahr die Jagd auf das Moorhuhn veranstaltet wird.
Neben dem Weg zu den Alport Castles gibt es einen Aufschluss, an dem die meterdicke Torfschicht zu sehen ist, die alle Hochflächen im Dark Peak des Peak District Nationalpark bedeckt. Angesprochen auf die relative Waldarmut Englands antworten die Engländer gerne, dass diese Torfschichten mehr CO² speichern als alle Wälder der Erde auf vergleichbarer Fläche. Eine der großen Aufgaben des Naturschutzes ist es, der Degradation der Moore entgegenzuwirken und die Moore wieder zum Wachsen zu bringen. 
Immer wieder trifft man im Dark Peak des Peak District Nationalparks auf Schafe. Die Zahl der Schafe wurde in den Gebieten, die dem National Trust gehören, bereits beträchtlich reduziert. Schafe schaden der Regeneration der Moore.
Blick auf das Bergrutschgebiet der Alport Castles und hinab in das Alport Valley. Dieses Tal gehört zu den neuesten Erwerbungen des National Trust im Dark Peak. Die Bewirtschaftung der Talböden soll naturverträglich fortgesetzt werden. Die Nadelwälder sollen nach und nach in Wälder mit einer natürlichen Baumartenzusammensetzung umgewandelt werden. 
Über dem Alport-Valley: An den Gräsern im Vordergrund kann man vielleicht sehen, dass hier ein Orkan aus Westen braust, der das Fotografieren und selbst das Stehen erschwert. Starke Westwinde sind der Normalzustand im Dark Peak. Bei einer Fahrt vor einigen Jahren über den Snake-Pass im Dark Peak zwischen Manchester und Sheffield konnte ich auf dem Parkplatz beim Pass über eine Stunde lang die Türen des Mietwagens wegen eines Orkans nicht öffnen.
Blick von den Alport Castles im Peak District Nationalpark über das Alport Valley hinweg in Richtung Westen: Am Horizont erhebt sich das riesige Hochplateau des Kinder Scout, des höchsten Berges im Peak District. Obwohl der Dark Peak des Peak District nur Höhen um 500 m ü NN erreicht, sind Wanderungen in diesem Gebiet eine ernste, gleichzeitig aber großartige Angelegenheit. Starke Winde fast das ganze Jahr über, Regen und zeitweiser Nebel, der die Orientierung erschwert, erfordern eine gute Vorbereitung einer jeden Unternehmung.

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