Sonntag, 14. Februar 2016

17 nachnominierte Gebiete bringen die Gesamtzahl der Natura 2000-Gebiete Vorarlbergs auf 40

Das österreichische Bundesland Vorarlberg hat im Dezember 2015 neue Natura 2000-Gebiete an die EU gemeldet. Bisher gab es in Vorarlberg 23 Natura 2000-Gebiete. Mit den 17 nun nachgemeldeten Gebieten steigt die Gesamtzahl der Natura 2000-Gebiete Vorarlbergs auf 40.

In Österreich werden die Natura 2000-Gebiete Europaschutzgebiete genannt. Gemäß der Terminologie der FFH-Richtlinie der EU nennt man die von den einzelnen Staaten an die EU gemeldeten Gebiete "vorgeschlagene Gebiete von gemeinschaftlicher Bedeutung (vGGB´s)". Sobald die EU diese Gebiete in ihre nach biogeographischen Regionen getrennten Listen aufgenommen hat, nennt man sie "Gebiete von gemeinschaftlicher Bedeutung (GGB´s)". Als dritter Schritt müssen die einzelnen Staaten diese GGB´s dann noch nach nationalem Recht als Schutzgebiete ausweisen. Sobald dies erfolgt ist, nennt die EU diese Gebiete "Besondere Erhaltungsgebiete (BEG´s)". 

Vorarlberg befindet sich vollumfänglich in der alpinen biogeographischen Region. Mit der Meldung der 17 neuen Natura 2000-Gebiete nach Brüssel sind diese Gebiete zunächst mal vGGB´s geworden. Die EU hat Ende 2015 eine neunte aktualisierte Liste der Gebiete von gemeinschaftlicher Bedeutung für die alpine biogeographische Region veröffentlicht. In dieser Liste sind nur zwei der 17 nachgemeldeten Gebiete enthalten. Das heißt, dass die 15 anderen Gebiete zu spät nach Brüssel gemeldet worden sind, um in diese aktualisierte Liste aufgenommen zu werden. Diese 15 Gebiete werden dann in die zehnte aktualisierte Liste aufgenommen werden, die voraussichtlich Ende 2016 veröffentlicht wird. Die 17 neu gemeldeten Natura 2000-Gebiete sind bisher auch noch nicht nach nationalem Recht als Schutzgebiete (konkret: als Europaschutzgebiete) ausgewiesen. Das wird in der nächsten Zeit noch erfolgen. Wir werden dann hier in diesem Blog darüber berichten.


Die Nachmeldung von 17 Natura 2000-Gebieten durch Vorarlberg ist einerseits eine erfreuliche Nachricht. Andererseits zeigt diese Nachmeldung, dass das bisher bestehende Natura 2000-Schutzgebietsnetzwerk in Vorarlberg vollkommen unzureichend war. Das gilt in etwas reduzierter Form auch für einige andere Bundesländer Österreichs. Es gibt kaum einen anderen europäischen Staat bzw. eine andere europäische Region, die so viele Natura 2000-Gebiete nachmelden musste wie Vorarlberg. Die jetzt erfolgte Nachmeldung von Natura 2000-Gebieten in Vorarlberg geht auf ein Vertragsverletzungsverfahren zurück, das die EU gegen Österreich eingeleitet hat (Nr. 2013/4077). Die EU war der Auffassung, dass Österreich noch nicht genügend Gebiete gemeldet hat, um die in der FFH-Richtlinie genannten Arten und Biotope zu schützen.

Die 17 nachgemeldeten Natura 2000-Gebiete Vorarlbergs im Einzelnen:
1. Roßbündta, Fläche: 12,62 Hektar, Gemeinde: St. Gallenkirch, Biotop: Schlucht- und Hangmischwälder
2. Unter der Winterstaude, Fläche: 25,8 Hektar, Gemeinde: Egg, Biotop: Schlucht- und Hangmischwälder
3. Rifa, Fläche: 12,63 Hektar, Gemeinde: Gaschurn, Biotop: Hainsimsen-Buchenwald
4. Unterargenstein, Fläche: 68,69 Hektar, Gemeinde: Au, Biotop: Schlucht- und Hangmischwälder
5. Unter Stellerhöhe, Fläche: 28,93 Hektar, Gemeinde: Egg, Biotop: Schlucht- und Hangmischwälder
6. Gortniel, Fläche: 12,71 Hektar, Gemeinde: St. Gallenkirch, Biotop: Schlucht- und Hangmischwälder
7. Spona, Fläche: 25,77 Hektar, Gemeinde: St. Gallenkirch - Gortipohl, Biotop: Hainsimsen-Buchenwald
8. Widderstein-Mähder, Fläche: 54,12 Hektar, Gemeinde: Warth, Biotop: Berg-Mähwiesen
9. Schöneberg, Fläche: 47,40 Hektar, Gemeinde: Lech, Biotop: Berg-Mähwiesen
10. Übersaxen-Satteins, Fläche: 60,05 Hektar, Gemeinden: Übersaxen, Satteins, Biotop: Sumpf-Gladiole
11. Frastanzer Ried, Fläche: 47,64 Hektar, Gemeinde: Frastanz, Biotop: Pfeifengraswiesen auf kalkreichem, torfigen und tonig-schluffigen Böden
12. Leiblach - Erweiterung um die Schmelzwiese, Fläche: 13,83 Hektar, Gemeinden: Hörbranz, Lochau, Bregenz, Biotop: Schmalbindiger Breitflügel-Tauchkäfer
13. Torfriedbach, Fläche: 9,88 Hektar, Gemeinde: Schlins, Biotop: Steinkrebs
14. Walsbächle, Fläche: 16,71 Hektar, Gemeinden: Röns, Satteins, Biotop: Steinkrebs
15. Üble Schlucht, Fläche: 7,59 Hektar, Gemeinde: Laterns, Biotop: Kalkfelsen mit Felsspaltenvegetation
16. Davenna, Fläche: 112,46 Hektar, Gemeinden: St. Anton, Bartholomäberg, Biotop: Kalkhaltige Schutthalden der collinen bis montanen Stufe Mitteleuropas
17. Ifen, Fläche: 2.466,72 Hektar, Gemeinden: Mittelberg, Egg, Sibratsgfäll, Biotop: Kalk- und Kalkschieferschutthalden der montanen bis alpien Stufe

Besonders erfreudlich ist die Meldung des Natura 2000-Gebiets Ifen mit einer beachtlichen Flächengröße. Dieses direkt an der Grenze zu Deutschland gelegene Gebiet ergänzt die auf deutscher Seite bereits gemeldeten Natura 2000-Gebiete.

Siehe auch:
EU nimmt neunte aktualisierte Liste der FFH-Gebiete in der alpinen biogeographischen Region an im Post vom 06.02.2016 in diesem Blog
Seit Ende 2015 gibt es zwölf neue FFH-Gebiete in der alpinen biogeographischen Region Österreich´s im Post vom 10.02.2016 
EU-Kommission wird Ausweisung des Hohen Ifen als Natura 2000-Gebiet fordern im Post vom 20.02.2013          

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