Dienstag, 6. Juli 2010

Scheidegger Wasserfälle im Westallgäu


Die Scheidegger Wasserfälle im Westallgäu bei Scheidegg gehören zu den 100 schönsten Geotopen Bayerns. Das im Gebiet anstehende Gestein "Nagelfluh" ist überhaupt ein guter Wasserfallbildner, denn in diesem Gestein wechseln harte und weiche Gesteinsschichten ab. Die unter einer harten Schicht liegende weiche Schicht wird vom Wasser schnell ausgeräumt, an der harten Schicht bildet sich dann eine Kante, über die das Wasser hinabstürzt zur nächsten harten Schicht.

Das Nagelfluhgestein (oder Molasse) ist eine Geschichte für sich, eine faszinierende Geschichte. Dieses Gestein sieht ein wenig aus wie Beton. Runde Steine sind mit Gesteinsmehl zusammengekittet. Die runden Steine deuten klar darauf hin, dass dieses Gestein mit wasserreichen Flüssen transportiert worden ist. Das Gestein war in der Frühzeit der Alpenbildung bereits einmal zu Bergen aufgefaltet worden. Es wurde dann abgetragen, von Flüssen nach Norden ins Alpenvorland transportiert und dort - jetzt wird`s interessant - durch den anhaltenden Druck der afrikanischen Kontinentalplatte ein zweites Mal zu Bergen aufgefaltet. Die aus Nagelfluh bzw. Molasse bestehenden Berge sind somit eigentlich so etwas wie Recycling-Berge. 

Für die Besichtigung der Scheidegger Wasserfälle ist eine kleine Gebühr zu entrichten, im Jahr 2010 betrug der Eintritt 1,50 Euro pro Person. Von Scheidegg aus - ein bekannter Erholungsort im Westallgäu - kann man die Wasserfälle in einer halben Stunde zu Fuß erreichen. Ansonsten erreicht man die Wasserfälle über die B 308, die Lindau mit Scheidegg verbindet (Deutsche Alpenstraße). Die ausgeschilderte Abzweigung zu den Parkplätzen befindet sich an der Stelle, wo die B 308 nach langem Anstieg von Lindau her die Hochfläche bei Scheidegg erreicht.   
Die Scheidegger Wasserfälle werden vom Rickenbach gebildet. Der Bach entspringt im benachbarten Österreich, heißt dort Riedbach, fließt auf deutschem Gebiet nordwestlich am Ort Scheidegg vorbei und knickt dann von einer Nordost- in eine Westrichtung um. In diesem Bereich befinden sich die Wasserfälle.
 
Der Rickenbach stürzt bei den Scheidegger Wasserfällen über zwei Stufen in die Tiefe. Hier sieht man die obere Stufe. Deutlich zu erkennen sind die harte Gesteinsschicht an der Wasserfallkante und die weiche Schicht darunter. Die Gesteinsschichten wurden vor 15 bis 17 Millionen Jahren im Miozän abgelagert und später emporgehoben.

Die Scheidegger Wasserfälle befinden sich im Bereich der Oberen Süßwassermolasse. Dieses Gestein wurde von den Flüssen an Stellen abgelagert, wo die Fließgeschwindigkeit gering war. Es gibt daneben auch die Meeresmolasse. Dieses Gestein wurde erst nach der Mündung der Flüsse in das Meer abgelagert (während der Ablagerungszeit erstreckte sich ein Meeresarm nördlich der Alpen).

Hier sieht man die unteren Wasserfälle. Ein Steig führt an den Fuß der unteren Wasserfälle. Der Steig führt jedoch durch sehr rutschgefährdete Gesteinsschichten, so dass er immer wieder gesperrt werden muss. Im Juli 2010 war der Steig wegen einer Rutschung erneut gesperrt, nachdem er nach längerer Sperrung erst im Jahr 2007 wieder geöffnet wurde. Ein weiterer Steig, der nicht abrutschgefährdet ist, führt zum Aussichtspunkt, von dem aus man beide Wasserfälle sehen kann.   

Zauberhafte Pools befinden sich am Fuß der Wasserfälle, allerdings so gut wie nicht erreichbar und zum Baden ungeeignet.

Ein Seitenbach des Rickenbachs bildet oberhalb der beiden Hauptwasserfälle einen dritten Wasserfall. Auf einem kleinen Rundweg geht man hinter dem Wasserfall entlang.

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